Archiv für den Monat Mai 2018

Garten der Kindheit

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Da waren die Großeltern am Ende der langen Straße. Einen großen Garten gab es da, mitten in der Stadt. Sie durfte Parfum aus Rosenblüten destillieren, sich Calendulablumen hinter das Ohr stecken. Ein Meer von Orange ohne Duft.

Ein Garten voller Obstbäume, Beerensträucher und Salat. Erdbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren, die sie sich direkt in den Mund stecken durfte. Roter Saft, der Flecken auf der Bluse machte. Stacheln, die in die Finger pieksten.

Dieser Garten erinnerte an Texte und Bilder von Heinrich Zille, in denen einfache Leute ein Schwein auf dem Balkon fett fütterten, um nicht hungern zu müssen. Die proletarischen Großeltern hatten keinen Balkon, sie hatten den großen Garten hinter dem Haus. Hier gab es kein Schwein, hier gab es Hühner, Hasen und Ziegen. Ein Garten voller Tiere, die auf den Teller kamen.

Entleeren

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Die Worte fließen lassen. Entleeren, aufräumen, auf eine andere Ebene kommen. Den eigenen Kritiker, der tief innen drin sitzt, zum Schweigen bringen. Den eigenen Ansprüchen genügen. Mut fassen. Aus der Haut und wieder hinein fahren. Den richtigen Ton finden. Sich nicht an den anderen messen. Kurven drehen und immer wieder zu sich zurückkehren und bei sich bleiben.

Kürzestbiographie

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Am Anfang kämpfte sie gegen das allumfassende Himmelblau.
Dann gegen Chemie und Physik.
Dann gegen einen Geschichtsprofessor, dem sie nicht elitär genug war.
Dann gegen Arbeitgeber, denen sie zu elitär war.
Dann gegen die Übermacht der Krankheit.
Dann kam einer, mit dem sie gemeinsam kämpfte.
Und feierte.
Das Leben.