Weißensteiner Straße 184

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Graffito, Bonatzbau Stuttgart, 2020

Wenn ich mit schmeichelnder Stimme »bsss bsss bsss, Mohrle komm, Mohrle komm, bsss, bsss, bsss, Mohrle komm, komm, komm« rief, kamen zwei Katzen angerannt. Beide hießen Mohrle. Schwarze Katzen gab es nie, die brachten Unglück. Warum trotzdem alle Mohrle hießen, erfuhr ich nie. Wenn die Katzen erkannten, dass nur ich, das Kind, mit leeren Händen dastand, kamen sie nicht näher. Ich war enttäuscht, ich hätte sie so gerne gestreichelt.

Was ist die früheste Erinnerung an den Ort meiner Kindheit? Ich meine nicht die Geschichten, die einem so oft erzählt werden, bis sie einem wie die eigene Erinnerung vorkommen. Ich meine das, was ich als Kind erlebt und mit meinen Sinnen wahrgenommen habe und heute noch erinnere.

Eine einfach zu erklärende Heimat habe ich nicht. Nicht mehr. Zumindest stellen sich keine heimatlichen Gefühle ein, wenn ich heute durch die Straßen der Stadt gehe, in der ich geboren wurde. Geblieben sind nur Fetzen der Erinnerung, verwischte Ereignisse, verblasste Gesichter.

Den hohen Zaun gibt es noch. Wie damals bewegt sich auf der einen Seite des Zauns der Verkehr stadtauswärts in die nahe gelegenen Dörfer, stadteinwärts aus den Dörfern zurück ins Zentrum der mittelgroßen Stadt. Auch die Bushaltestelle gegenüber ist noch da. Der Verkehr ist dichter geworden und lauter. Und die Häuserblocks gegenüber, die jetzt noch da stehen, wo sie früher schon standen. Viel früher noch waren dies Holzbaracken. Baracken, in denen im und nach dem Krieg Flüchtlinge unterkamen. Vor denen, die mit dem Rucksack gekommen waren, hat man mich als Kind immer gewarnt. Ich fand an Rucksäcken nichts schlimmes, mit Eva durfte ich trotzdem nicht spielen. Heute sehen die Wohnblocks freundlicher aus, haben angebaute Balkone, und da hängen Kästen mit roten Geranien, blauen Petunien, lustigen Fröschen mit Glupschaugen und Porzellanenten mit Strohhüten.

Auf meiner Seite des Zauns gab es keine Spielkameradinnen, dafür eine große Blumenwiese. Ich liebte den Geruch und die Farben der gelben, blauen, knallorangen und roten Blumen, deren Namen mir niemand sagte. Auch den Löwenzahn, den wir Bettscheißer nannten, mochte ich, obwohl der weiße Milchsaft aus den Stängeln grässliche Spuren auf der Hose hinterließ. Besonders gerne pflückte ich einen bunten Strauß für die Großmutter, die ihn dann ohne große Freude entgegennahm, weil für sie alles, was aus dem Garten kam, irgendwie mit Arbeit verbunden war. Manchmal hat der Großvater den Blumen die Köpfe abgeschnitten, bevor ich sie pflücken konnte. Er brauchte Futter für seine Tiere.

Die Blumenwiese war eine große unbebaute Fläche neben dem Haus. Hinter dem Haus gab es einen großen Hof, eine Garage und ein Gartenhaus. Man nannte es Gartenhaus, weil es im Garten stand, wo der Großvater Kopfsalat, Stachel- und Himbeeren, rote und schwarze Träuble und Blumen anpflanzte. Der alte Mann, der ein Stockwerk tiefer wohnte, hatte in seinem Garten auch Tomaten. Der Großvater hatte kein Glück mit Tomaten. Man nannte das Gartenhaus Gartenhaus, obwohl es gleichzeitig die Funktion eines Stalls hatte, denn außer den beiden Katzen wohnten dort auch ein paar Hühner und ein Hahn, die frei herumlaufen durften und Hasen, die in kleinen selbstgebauten Ställen untergebracht waren. Noch vor meiner Zeit hielt der Großvater Geißen und züchtete große bissige Hunde. Es roch nach Heu und Gras und nassem Fell und den Hinterlassenschaften der Tiere. Und das Gartenhaus war nicht nur Stall, sondern auch Werkstatt, denn der Großvater machte dort kleinere Reparaturen.

Daneben die Garage. Die Garage hieß Garage, obwohl es sich in Wirklichkeit um eine Werkstatt handelte, in denen der Großvater größere Reparaturen mit größeren Werkzeugen an einer richtigen Werkbank machte. Gar nie stand ein Auto darin, denn die Großeltern konnten sich, glaube ich, kein Auto leisten. Womöglich besaß der Großvater überhaupt keinen Führerschein, die Großmutter hatte ganz bestimmt keinen. Schließlich war die Großmutter Hausfrau, sie brauchte keinen Führerschein. Die Einkäufe erledigte sie mit dem alten Damenrad beim Sparladen am Eck. Die Werkstatt hieß jedenfalls Garage, weil sie ein Garagentor hatte und theoretisch hätte man ein Auto dort hineinstellen können. Es standen aber immer nur zwei Fahrräder und ein Fahrradanhänger darin.

Der Großvater hatte aber nicht nur die Blumenwiese neben und den Garten hinter dem Haus. Er bewirtschaftete zusätzlich einen Garten, den er von der Stadt gepachtet hatte, wo er Kartoffeln, Bohnen, Krautköpfe, gelbe Rüben, rote Beete, Kräuter und Erdbeeren anpflanzte. Und es gab Apfel-, Zwetschgen- und Birnbäume und einen Quittenbaum. Dieser Garten hieß nicht Garten, sondern »Gütle« und war ein paar Hundert Meter vom Haus entfernt und gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Auch die Großmutter hätte dorthin radeln können, hat aber gar nie einen Fuß in diesen Garten gesetzt. Vielleicht, weil es da im Gütle ein zweites Gartenhaus gab. Es war mit Bildern aus der Praline und der Neuen Revue tapeziert. Frauen mit großen Busen, strahlend blauen Augen, und langen blonden Haaren, oben herum nackt, unten herum mit einem knappen Schlüpfer bekleidet, hatte der Großvater aus den Heften heraus gerissen oder ausgeschnitten. Solche Frauen gab es in meiner Familie nicht. Die Großmutter war klein und füllig, die Tanten und die Mutter waren braunhaarig und hatten nicht solche Brüste. Obwohl ich die Lieblingszeitschriften des Großvaters, von denen die aktuellsten immer auf dem Couchtisch im Wohnzimmer auslagen, anschauen durfte, durfte ich das Gartenhaus nie betreten. Niemand außer ihm selbst ging hinein. Er selbst aber verschwand manchmal darin und kam stundenlang nicht mehr heraus. Manchmal stellte ich mich auf die Zehenspitzen und schaute durch das kleine Fenster hinein. Viel konnte man nicht erkennen, denn das Fenster war schmutzig, voller Spinnweben und ich zu klein. Ein Tisch, ein Stuhl, eine leere Bierflasche, viele nackte Frauen. Und er selbst saß am Tisch und hatte den Kopf auf die Tischplatte gelegt.

Es gab klare Regeln.

Nur zwei Katzen durften leben, nur zwei wurden mit Küchenabfällen und mit verdünnter Milch gefüttert. Es waren kleine Rationen, denn sie sollten sich hungrig auf die Jagd nach Mäusen machen. Und nach Ratten, die vom Bach heraufkamen. Und zwei Katzen auch nur deshalb, weil ja immer damit gerechnet werden musste, dass eine auf der großen Straße vor dem Haus überfahren wurde. Wenn eine Katze Junge bekam, ahnte sie wohl, dass diese in Gefahr sein würden und versteckte sie im Gartenhaus ganz oben zwischen den Dachbalken oder ganz hinten im Heu. Ich wünschte mir immer, dass der Großvater die Kätzchen nicht finden würde. Es half nichts, der Großvater kannte alle Verstecke. Die überzähligen Kätzchen nahm der Großvater an den Hinterbeinen und schlug sie gegen das Garagentor oder tunkte sie in einen Eimer mit kaltem Wasser.

Die Hühner, denen er auf dem Hackblock, der vor der Garage stand, mit dem Beil den Kopf abgeschlagen oder die Hasen, denen er das Fell abgezogen hatte, wurden mit dem Kopf nach unten außen an das Garagentor gehängt.

Der Großvater fand nichts dabei, wenn ich zuschaute. Schließlich zog er seine Tiere groß, um sie zu verkaufen. Oder um sie zu essen. Dann schlachtete er sie, und die Großmutter machte einen Sonntagsbraten daraus. Mit viel Soße, Kartoffelsalat und grünem Salat aus dem Garten. Und handgeschabten Spätzle. Der Großvater legte großen Wert darauf, nur Selbstgeerntetes und Selbstgemachtes zu essen.

Zu Ostern durfte man im Hof mit den frisch geschlüpften Küken spielen, die so gelb, so flaumig, so weich waren. Einmal habe ich einem Biberle versehentlich ein Bein abgebrochen. Das war schrecklich. Der Großvater brachte es weg und sagte »pass in Zukunft besser auf«.

Er hatte als Soldat im Zweiten Weltkrieg gekämpft und man erzählte sich, dass er trotz Kopfverletzung zu Fuß von Russland bis nach Hause gelaufen sei. Vielleicht ist er nach Ende des Krieges aber auch im Güterwaggon gekommen. Von ihm selbst hat man es nicht erfahren. Weder über den Krieg noch über seine verspätete Heimkehr hat er auch nur ein einziges Wort verloren. Nie erzählte er Heldengeschichten, nie erzählte er Geschichten vom Leid und vom Entbehren. Nie erfuhr man, ob er getötet hatte, nie, ob auf ihn geschossen worden war. Geschweige denn, ob er Angst gehabt oder geweint hatte. Wie war das Loch in seine Stirn gekommen? Ich durfte nicht fragen.

Nur aus den Erzählungen der Mutter wusste ich, dass der Großvater erst lange nach Ende des Krieges nach Hause gekommen war, völlig abgemagert in einem viel zu großen, schwarzen Ledermantel. Und mit dieser vernarbten Delle in der hohen Stirn. Die beiden Brüder der Mutter waren noch kurz vor dem Krieg auf die Welt gekommen, die Mutter selbst und eine Schwester waren im Heimaturlaub gezeugt und in Abwesenheit des Vaters geboren worden. Nach seiner Rückkehr setzte der Großvater weitere Kinder in die Welt, bis es insgesamt sieben waren. Eigentlich acht, aber eines ist bald nach der Geburt gestorben. Im Berufsleben dagegen lief es nicht so gut. Er, der vor dem Krieg an einem Werktisch saß und Goldschmuck anfertigte und reparierte, arbeitete nach dem Krieg mit Hacke und Schaufel und reparierte Straßen. Und auch diese Stelle bei der Stadt hatte er nur bekommen, weil er auf eine kinderreiche Familie verweisen konnte.

Ich, die erste Enkelin, fünfzehn Jahre nach Ende des Kriegs geboren, liebte es, in Großvaters Garten zu sein. Den modrig-feuchten Geruch des Gartenhauses mochte ich, die unheimlichen, dunklen Ecken mit den großen Spinnweben, wo ich mich gut verstecken konnte, auch wenn es niemand gab, der mich hätte suchen und finden wollen. Ich liebte die dicken fetten Himbeeren und die gelbreifen Stachelbeeren, die ich mir direkt vom Strauch in den Mund stecken durfte. Ich liebte es, Parfum aus Rosenblättern zu kochen und Kränze aus Gänseblümchen zu binden.

Der Großvater war ein kräftiger Mann von knapp ein Meter neunzig, der mit nacktem Oberkörper in der sengenden Sonne den Garten umgrub, die Wiese mähte oder seine Ernte aus dem Gütle auf dem Anhänger hinter seinem Fahrrad herzog. Im Sommer thronte er samstags nur mit einer kurzen Hose bekleidet und braun gebrannt inmitten seiner prächtig blühenden Rosenbüsche auf einer Gartenbank im Garten hinter dem Haus, von den Damen aus der Nachbarschaft umgeben. Sie hingen an seinen Lippen, während die Großmutter Kaffee und selbst gebackenen Apfel-, Zwetschgen- oder Birnenkuchen servierte, den sie über zwei Treppen und den ganzen Hof nach hinten schleppte. Im Winter saß der Großvater samstags in einer dicken Wollweste mittig auf der Wohnzimmercouch, Neue Revue und Praline immer griffbereit vor sich auf dem Couchtisch, das Farbposter mit den Camarguepferden, die spritzend durchs Wasser galoppierten, über sich. Er hatte dieses »Gemälde« auf eine Holzplatte aufgezogen, und weil es ihm ein bisschen verrutscht war, hatte er an der Ecke links unten mit grüner Holzfarbe, die vom Zaunstreichen übrig geblieben war, nachgebessert. Auch in seinem Wohnzimmer hielt er Hof, auch hier scharte er die Nachbarinnen, Frauen, die keinen Mann abbekommen hatten oder deren Männer im Krieg geblieben waren, um sich. Während er auf dem Sofa saß, mittig, damit sich niemand neben ihn setzen konnte, sich dort von der Großmutter Kaffee und Kuchen servieren ließ, sammelten sich die Damen um den Esszimmertisch, der im gleichen Zimmer stand und ließen sich dort bedienen. Die Frauen kamen als Freundinnen der Großmutter, lauschten aber dem Großvater und schienen seine Geschichten aufregend zu finden. Er erzählte vom alljährlichen Ausflug mit dem Geißenzuchtverein, seinen neuen Düngemethoden mit Schafsmist und davon, welche Berge er in diesem Jahr geerntet hatte. Sie bewunderten seine Männlichkeit, seine Größe, sein volles schwarzes Haar, den flachen Bauch. Über ihren eigenen Kummer redeten sie nicht. Auch ging es nie um Politik. Dem leckeren Kuchen waren die Frauen nicht abgeneigt, der Großmutter aber schenkten sie wenig Beachtung. Im Gegenteil: Immer wieder wurde halb im Scherz, halb im Ernst die Frage in den Raum gestellt, warum diese kleine, dicke Frau diesen großen attraktiven Mann abbekommen hatte.

Die Großeltern lebten ihr Leben lang, vor dem Krieg, im Krieg, nach dem Krieg in dieser Mietwohnung am südlichen Ende der Stadt. Eng war es da. Die kleine Dreizimmerwohnung ohne Badezimmer, in der einmal neun Personen gelebt hatten, die zwei alten Fahrräder und der Keller voller Vorräte waren nichts zum Herzeigen. Ich fand es gar nicht eng da. Der Garten war riesig, die Blumenwiese auch. Den wohligen Geruch meiner Großmutter, die immer nach Kuchen und frischer Wäsche roch und den Duft der Blumen meine ich noch zu riechen. Und den Geschmack der reifen Beeren zu schmecken.

Am Ende ihres Lebens brachte man erst den Großvater, später die Großmutter einfach über die Straße. Denn auf der anderen Seite des Zauns und der großen Straße befanden sich nicht nur die Wohnblocks und das Gütle, sondern auch der Friedhof.

Seit die Großeltern tot sind, gibt es diesen Ort meiner Kindheit nicht mehr. Obwohl das Haus Weißensteiner Straße 184 noch immer da steht, wo es damals stand. Gartenhaus und Garage wurden durch ein weiteres Wohnhaus ersetzt. Unbekannte Menschen leben da. Trotz der hohen Quadratmeterpreise gibt es die unbebaute Fläche neben dem Haus noch, die Blumenwiese aber ist verschwunden. Nur noch Gras steht da. Und das Gütle wurde von dem um ein Vielfaches gewachsenen Friedhof verschluckt.

Bilder verblassen. Nur die ungefähre Erinnerung an eine verschwundene Welt bleibt zurück. Ein paar Spuren, keine Fotos. Fotografiert hat man damals nicht.

An Samstagen bekam ich den Auftrag, mit dem Messer das Unkraut zwischen den Wegplatten herauszukratzen. Oder die Erdbeeren im Gütle mussten geerntet werden. Ungeliebte Einsätze, bei denen man auf dem Boden herumkriechen musste. Und diese Beeren durften nicht in meinem Mund landen, sondern mussten auf den Küchentisch der Großmutter. In der kleinen Küche, in die sie gerade so hineingepasst hat, wusch und putzte sie alles, was aus dem Garten kam, und kochte es ein. Weckgläser wurden gefüllt und hinunter in den Keller getragen. Da gab es Himbeer- und Erdbeermarmelade, Quitten- und Träublesgelee, Zwetschgenkompott, Apfelbrei, Stachelbeeren in Zuckerwasser, eingelegte Bohnen und saure Gurken en masse. Wenn ich das Messer nicht richtig ansetzte, in seinen Augen zu schlampig arbeitete oder heimlich eine Beere in den Mund steckte, bekam ich vom Großvater ein paar hinter die Ohren. Erledigte ich meine Sache gut, bekam ich am Sonntag, wenn nicht die Nachbarinnen, sondern die Familie zu Kaffee und Kuchen da war, fünfzig Pfennig für ein Vanilleeis mit Schokoladenüberzug und wurde zur Esso-Tankstelle ein Stück die Weißensteiner Straße hinunter geschickt. »Ein Mohrle bitte«, sagte ich dann zum Tankwart und legte mein selbst verdientes Fuffzgerle auf den Tresen.

Träuble, Rehenhof, Sommer 2020

»Die Mauern stehn sprachlos und kalt«*

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Es war ein ganz normaler Nachmittag an einem ganz normalen Wintertag. Draußen war es kalt und trüb. Ich saß in diesem überheizten, muffigen, schwitzigen Klassenzimmer und war am Einschlafen. Herr Scheidewind, der Erdkundelehrer, sprach über landwirtschaftliche Anbaumethoden in Ländern, die mir unbekannt waren, in die ich ganz bestimmt niemals kommen würde. Mali, Sahelzone, das interessierte mich doch überhaupt nicht. Ich rutschte auf meinem Holzstuhl hin und her, weil die Wollstrumpfhose unter der Levisjeans, die eh ein bisschen eng war, am Hintern juckte. Die raue Oberfläche des alten Stuhls scheuerte durch Wolle und Stoff hindurch und brachte ein bisschen Erleichterung.

Die Stimme von Oberstudienrat Scheidewind war echt einschläfernd. Gleich würde er auf den Lichtschalter an der Tür drücken, das grelle Neonlicht anschalten und genau so monoton weiterreden. Ich wünschte mir, ich könnte mich wegbeamen, raus aus diesem Klassenzimmer. Raus aus dem Schulgebäude. Raus aus der Wollstrumpfhose. Da meine Eltern gleich um die Ecke wohnten und ihre Augen und Ohren überall hatten, durfte ich mich auf jeden Fall nicht in der Stadt herumtreiben. Aber dafür war es eh viel zu kalt.

Sigrid, genannt Siggi, war eine Gleichgesinnte. Es war ein Leichtes, sie in der Fünfminutenpause zur Flucht zu überreden. Überreden war gar nicht nötig, ein „Komm, lass uns unsere Sachen nehmen und gehen“ reichte völlig aus. Wo wir hingehen, was genau wir tun wollten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tatsache war, dass das spärliche Taschengeld längst ausgegeben und es draußen ungemütlich kalt war, und dass es bald dunkel werden würde. Denkbar schlechte Voraussetzungen für die weitere Gestaltung des Nachmittags. Ich wohnte in so kurzer Entfernung zur Schule, dass ich morgens vom Bett in die Schulbank fallen konnte. Alles, was nicht so nah lag wie mein Elternhaus, schien mir ideal. Welch ein Glück, dass Siggi von einem Bauernhof stammte, der so weit draußen lag, dass man den Zug nehmen musste.

Siggis Eltern würden bestimmt nichts merken, weil sie mit ihrem Bauernsach beschäftigt waren. Entweder arbeiteten sie auf dem Acker oder im Garten. Gab es Feldarbeit im Winter? Was machte der Bauer in dieser Jahreszeit überhaupt? Wenn es auf dem Feld oder im Garten nichts zu erledigen gab, musste es doch andere Aufgaben geben.

Mein Vater hatte immer zu tun, im Winter zog er ein Angoraunterhemd unter das karierte Flanellhemd, eine lange Unterhose unter die Cordhose, setzte sich eine Wollmütze auf den Kopf und ging auf irgendeine Baustelle.

Gewiss hatten Siggis Eltern im Stall zu tun, bei den Kühen war es warm. Egal, sie konnten tun und lassen, was sie wollten, Hauptsache, sie würden nicht merken, dass wir zu zweit und viel zu früh aus der Schule kamen.

Siggi und ich schlichen aus dem Schulhaus, und als wir außer Sicht waren, fühlten wir uns schon besser. Meine Wollstrumpfhose hatte ich längst vergessen. Gegen die Idee, zu ihr zu fahren, hatte sie nichts einzuwenden. Auf halber Strecke zwischen der Schule, die ein renommiertes Mädchengymnasium war, und dem Bahnhof lag der kleine Park, der Hofgarten hieß. Die Bezeichnung Garten war zutreffender: eine übersichtliche, von einer Mauer umgebene Grünfläche, gesäumt von schmalen Wegen und Blumenrabatten. Jetzt war Winter, es gab keinen grünen Rasen und keine bunten Blumen. Die Wege waren geschippt und der Schnee war kantig zur Seite hin geschoben. Alter, grauer Schnee.

Schnell liefen wir nebeneinander her, schnell, weil wir froren, und weil wir nicht entdeckt werden wollten. Mein Vater war viel mit dem kleinen Lieferwagen unterwegs. Mal war er auf dem Weg zu einem Kunden oder zu einer Baustelle, mal holte er sich eine Brezel vom Bäcker oder die Bildzeitung vom Bahnhofskiosk. Zu Fuß ging mein Vater gar nie.

Wir erreichten die lange Steinmauer, die den Hofgarten umschloss. Die war hoch, man konnte nicht über sie hinüber schauen. Dann kam das große Eisentor, das in den kleinen Park hineinführte. Normalerweise warf man, ohne anzuhalten, ganz automatisch einen Blick durch dieses Tor. Im Sommer winkte man schnell den Freunden zu, die bei gutem Wetter nachmittags mit nacktem Oberkörper auf der Wiese lagen und sich sonnten, Bier tranken oder einen Joint rauchten. Ich war 14, Siggi ein Jahr älter, weil sie schon einmal sitzen geblieben war. Die Typen waren älter und besuchten die benachbarte Oberschule für Jungen, manche waren schon volljährig. In einen von ihnen hatte ich mich verliebt, in den mit den langen blonden Haaren, der so gut Gitarre spielen konnte. Heute hätte ich nicht hineinschauen müssen, denn es war nicht damit zu rechnen, dass sich irgendjemand an diesem ungastlich kalten Ort aufhielt. Aber ich schaute durch das Tor, weil ich immer durch das Tor schaute. Außer weißgrauen Schneebergen gab es da nichts zu sehen. Und hineingehen hätten wir schon gar nicht müssen, aber wir taten es doch.

Irgendetwas zog uns an. Da auf der schneebedeckten Wiese schien etwas anders als sonst, da gab es ein Leuchten. Hatte jemand eine brennende Fackel in den Schnee gesteckt? Dort in diesen Schnee, der gar nicht so unschuldig und weiß glitzerte, wie man immer so schön sagte, sondern eklig grau war. Grau, mit schwarzen Schlieren überzogen und steif gefroren. Es hatte schon seit Tagen nicht mehr geschneit, aber war die ganze Zeit sehr kalt gewesen. Der Himmel hing tief über unseren Köpfen und die Dunkelheit schlich sich ganz langsam heran. Und das Grau der herannahenden Dämmerung vereinnahmte das Grau des alten Schnees und war dabei, das letzte bisschen Tageslicht zu verschlucken. Die Luft war so kalt, dass sich kleine Atemwölkchen vor unseren Mündern bildeten.

Ja, kein Zweifel, da brannte etwas. Ein helles Gelb. Das Flämmchen wurde zur Flamme und langsam immer größer. Und immer größer. Dann lichterloh. War es eine Vogelscheuche, die jemand aus Holzstangen, alten Kleidungsstücken und einer Perücke zusammen gebastelt hatte? So eine lustige Vogelscheuche, die normalerweise Krähen von Feldern und Gärten fernhielt, um Samen und Beeren zu schützen? Doch was hatte eine Vogelscheuche mitten in der Stadt zu suchen? Wozu brauchte man eine Vogelscheuche im Winter? Hatte sich einfach jemand einen Spaß erlaubt? Ich war mir sicher, es musste eine Vogelscheuche sein.

Aber es roch komisch. Mitten im Stadtpark roch es nach Tankstelle. Und nach roter Wurst und nach gegrilltem Schweinebauch. Und nach verbranntem Haar. Als hätte man beim Haaretrocknen eine Strähne ins Gebläse des Föhns gebracht. All diese Gerüche waren nicht sehr intensiv, dafür war es zu kalt. Und das da mitten auf der Schneewiese, diese Fackel, diese Vogelscheuche oder was auch immer das war, schien eine Jeans anzuhaben. Und ich meinte sogar, Haare zu erkennen. Lange, hellbraune Haare.

Mein Gehirn konnte das Gesehene nicht einordnen, nicht übersetzen. Ich starrte wie gebannt, konnte den Blick nicht lösen, aber so sehr ich mich auch konzentrierte, ich erkannte nicht wirklich etwas. Die Übertragung von den Augen zum Gehirn funktionierte nicht mehr. Weil ich nicht wusste, was hier geschah. Weil mir so etwas noch nie passiert war.

Der Mann vom Bahnhofkiosk könnte die Feuerwehr rufen. Der würde das bestimmt tun. „Komm schnell, wir holen die Feuerwehr“, ich rannte los, Siggi sagte nichts und kam hinterher.

Vom Lieferwagen meines Vaters heute keine Spur. Am Bahnhof angekommen, liefen wir am Kiosk vorbei. Gerade kam die Durchsage, der Zug nach Hüttlingen war auf Gleis eins eingefahren, und wir sprangen ohne zu zögern hinein. Siggi besaß eine Schülermonatskarte, Zeit und Geld für eine zweite Fahrkarte hatten wir nicht. Vom Herumstehen im Park war uns sehr kalt geworden, wir zitterten vor Kälte, behielten im überhitzten Zugabteil die Jacken an, rieben uns die Hände. Beide waren wir nun froh über die dicken Wollstrumpfhosen unter den Jeans, die dicken Stiefel und die selbst gestrickten Handschuhe. Meine, es waren nur Daumenhandschuhe, hatte ich unter Anleitung der Großmutter angefertigt, schön waren sie nicht, manche Masche war falsch herum gestrickt, die Farbauswahl orange-grün eher misslungen, aber warm waren sie.

Kaum eingestiegen, waren wir fünfzehn Minuten später schon in Hüttlingen angekommen. Wir schlichen uns ins Haus und in das Kinderzimmer unter dem Dach. Niemand hatte uns kommen sehen. Während der Fahrt und auch jetzt sprachen wir nicht. Wir fanden keine Worte für das, was wir gesehen hatten. Vielleicht, weil wir nicht wirklich etwas gesehen hatten. Vielleicht, weil wir nichts gesehen haben wollten. Wir redeten aber auch nicht über unsere Ahnungen. Die Kälte saß in den Knochen und ließ gar nicht nach. Noch immer saßen wir in unseren Jacken da, Siggi im einzigen Sessel, ich auf ihrem Bett, weil es keine weitere Sitzgelegenheit in dem kleinen Zimmer gab. Ein Kräutertee zum Aufwärmen hätte uns gut getan, ein Keks dazu oder ein Butterbrot. Wir trauten uns aber nicht hinunter in die Küche, weil dort Siggis Mutter womöglich das Abendessen vorbereitete und ihr Vater womöglich am Küchentisch saß und die Zeitung las. Und dann wären Fragen gestellt worden.

Stattdessen holte Siggi eine große Flasche aus dem Kleiderschrank und zwei Zahnputzbecher aus dem Badezimmer nebenan. „Das ist der Whiskey, den ich in fürs Babysitten bekommen habe.“ Es war die Zeit des Kalten Kriegs. In der Stadt gab es amerikanischen Kasernen und die Soldaten wohnten auch hier draußen auf dem Land. Eine riesige Flasche Jim Beam hatten die Amis ihr geschenkt, „one Gallon oder half Gallon, das weiß ich nicht so genau“, sagte Siggi, „aber der kommt direkt aus Amerika, den gibt es nur im PX-Laden“.

Normalerweise tranken wir keinen Alkohol, und wir nahmen keine Drogen, obwohl die uns ohne Weiteres zur Verfügung gestanden hätten. Wir waren jung, wir waren hübsch und hatten die passenden Verehrer, man hätte uns sicherlich nicht nur Whiskey geschenkt. Wir tranken das eklige Zeugs in der Hoffnung, warm zu werden, vielleicht auch in der Hoffnung, getröstet zu werden. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen, füllten die Plastikbecher immer wieder. Wir tranken, weil wir nicht sprechen konnten. Wir tranken, um nicht sprechen zu müssen.

Was hätten wir auch sagen sollen: Dass es falsch war zu schwänzen? Dass es nicht richtig war, einfach nur dazustehen und keine Hilfe zu holen? Dass wir uns verraten hätten, wenn wir Hilfe geholt hätten? Dass wir schuld waren, wenn das Feuer nicht gelöscht wurde? Dass es fürs Löschen längst zu spät war? Dass dies die Strafe für uns Tun war? Dass wir künftig nie mehr die Schule schwänzen würden? Sollten wir darüber sprechen, wie traurig wir waren, oder darüber, dass wir komischerweise gar nicht traurig waren? Der Whiskey musste raus, wir hingen nach einander über der Kloschüssel und kotzten uns die Seelen aus dem Leib.

In Siggis Familie hatte sich der Bruder des Vaters in jungen Jahren aufgehängt, ihre Großmutter sprach seither nicht mehr, die anderen sprachen wenig. Ich dagegen wusste noch nichts über den Tod.

Bis heute mag ich keinen Whisky trinken. Noch nicht einmal riechen kann ich ihn. Denn mit dem Geruch kommen die Erinnerungen an jenen unbedeutenden Nachmittag an einem kalten, trüben Tag zurück. An jenen Wintertag, der so schien wie jeder andere, als ich 14 Jahre alt war: der gleichförmige Unterricht, das unbekannte Mali, die klirrende Kälte, die dicke Wollstrumpfhose, der juckende Hintern, das gelbe Licht im schmutzigen Schnee, die brennenden hellen Haare. Der komische Geruch.

Am Tag danach stand in der Zeitung, dass er gerade das Abitur mit einer Eins bestanden hatte. Dass er Thomas hieß und einen Zwillingsbruder zurückließ. Ein junger Mann, der das Leben noch vor sich gehabt hätte, ging mit einem Ersatzkanister zur Tankstelle, kaufte Benzin für vier Mark, übergoss sich im Stadtpark damit, zündete sich an. In einem Park, der eigentlich ein Garten war.

Sein Leben war erloschen, meines hatte er entfacht.

„Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein.“
*

* Aus dem Gedicht „Hälfte des Lebens“ von Friedrich Hölderlin.

Stuttgart, Hospitalviertel

How is life?

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Am Wasser, Ghana 2010

Gegen fünf dämmerte das Morgenlicht. Sie lag unter diesem steifen Betttuch, das nach Kernseife roch. Und obwohl es noch nicht einmal ganz hell war, lief Schweiß über ihre Stirn. Sie tropfte aus dem Nacken. Und schwitzte zwischen den Brüsten und den nackten Beinen. Ganz erschlagen war sie von der Nacht auf der harten Matratze aus Stroh. Sie lauschte nach draußen, versuchte, den Lärm zu ergründen. Sie wollte nicht glauben, dass es nur das Meer war, das sie da hörte. Diese riesigen Wellen des Atlantischen Ozeans, die gegen Felsen schlugen. Es gab nicht den Autolärm wie zuhause, wo sie zwar in einer ruhigen Straße wohnte, aber den Verkehr von der etwas entfernten größeren Ausfallstraße immer im Ohr hatte. Außer sie machte alle Fenster zu. Außer sie versuchte, sich einzubilden, es sei das Meer, was da rauschte, nicht Autos, die Tag und Nacht die Straße hinauf und hinunter fuhren. Und jetzt war es das Meer. So dicht, so laut, dass sie es als bedrohlich empfand. Diese Wellen, die an Felsen schlugen. Wie ein Händeklatschen, ein Platsch, wenn sie sich wieder zurückzogen. Immer die kleinen Steinchen im Schlepptau, die das schlurfende Geräusch machten. Jederzeit hätte sich ein Mensch oder ein Tier heranschleichen können, ohne dass sie es gehört hätte. Gar nichts hätte sie gehört. Keinen Ton, keine Schritte. Nur dieses Schlagen, dieses Platschen, dieses Klatschen. Und die Steinchen. Dieses Schlurfen. In der Nacht, die ihre erste Nacht war, als sie wegen der feuchten Hitze und der ungewohnten Umgebung in dieser Hütte, wo es ein Bett, ein Regal und einen Stuhl gab und sonst nichts, nicht hatte einschlafen können, waren Ängste ganz klammheimlich in ihren Kopf und durch ihren Körper gekrochen: Wer oder was schlich gerade um ihre Hütte herum? Wer wollte etwas von ihr, wer trachtete ihr womöglich nach dem Leben? Ihr war klar geworden, dass sie nicht nur allein in ihrer Hütte, sondern allein auf dem großen Gelände war. Auch sie hätte niemand hören können, niemand wäre ihr zu Hilfe kommen.

Die Hitze des Tages kam jetzt unter der Tür hindurch in die Hütte gekrochen, dann unter ihr Betttuch. Sie horchte tief. Tief ein, tief aus. Aber da war nur der Lärm des Ozeans. Angst machte ihr, dass sie die Geräusche hinter den Geräuschen nicht hörte. So laut und doch kein Laut. Immer nur dieses Meer.

Dann kam ein neuer, noch größerer Lärm. Sie vermochte nicht zu sagen, woher er kam, aber sie hörte ihn ganz deutlich, den undefinierbaren Lärm hinter den Wellen. Es kam ihr so vor, als würde jemand mit etwas Metallischem auf etwas Metallisches schlagen. War das der Weckruf? Sollten alle aufwachen, die Nacht beenden und mit dem Tagwerk beginnen? Oder war es die Aufforderung, zum Morgengottesdienst in eine der vielen Kirchen zu kommen? Sie hatte gelesen, dass die und die dazugehörigen Gläubigen von den Missionaren an der Küste zurückgelassen worden waren.

Durch die  Fensteröffnung, bei der man die Holzlamellen auf- und zuschieben konnte, passten im geschlossenen Zustand nur Moskitos. Und Käfer und Spinnen. Und die Geckos, die dann Kopf unter an den Deckenbalken hingen, völlig reglos, mit ihren pulsierenden kleinen Lungen. Die glotzten ohne Scham auf alles unter sich, auch auf ihren nackten Körper, der da noch im Bett lag.

Gleich in dieser ersten Nacht war Schreckliches passiert. Auf dem Weg zur Toilette, die etwas entfernt auf dem großen Gelände lag, war sie auf etwas getreten. Auf etwas Riesiges, etwas Klitschiges. Sie wusste gleich, dass es ein Tier war. Der reinste Horror, in dieser Dunkelheit mit dem Schlappen auf etwas zu treten, das groß und glitschig war und sich unter ihrem Fuß bewegte. Sie erschrak zu Tode und dachte sofort an eine giftige Schlange. Denn dass es hier gefährliche Tiere und schlimme Krankheiten gab, daran zweifelte sie nicht. Als sie mit der kleinen Kerosinlampe hinleuchtete, sah sie, dass es eine schwarze Kröte war, fett und furchterregend. Auf dem hastigen Rückweg zur Hütte erschrak sie ein weiteres Mal, das Herz setzte kurz aus, als plötzlich zwei weiße Augen und der Atem von Bier und Zigaretten vor ihr standen. Der Nightwatch, der so schwarz war, wie die Nacht selbst, machte seinen Rundgang über das Gelände. Auf seine Frage „How is life?“ konnte sie nicht antworten, sie war mit ihren Nerven am Ende.

Kein weiteres Mal würde sie nachts die Hütte verlassen, das hatte sie sich geschworen. Zum Glück steckte ein Schlüssel innen in der Tür. Sie drehte ihn gleich dreimal um.

Das Moskitonetz hatte ihr in der Nacht Schutz geboten. Am Morgen, beim ersten Gang zur Toilette, als es draußen schon hell war, aber in den Toilettenkabinen noch dämmerig, wurde sie gestochen. Die Moskitos griffen hinterrücks an und stachen dahin, wo man nicht damit rechnete oder vergessen hatte, sich mit Autan einzuschmieren: in den Hintern. Sie konnte nur hoffen, dass ihre Malariaprophylaxe Schlimmeres verhinderte. Sie hatte ja gelesen, dass die Malaria nicht anders war als eine Grippe. Dass Malariatabletten gar nichts brachten, weil 85 Prozent der Malariaparasiten zwischenzeitlich immun waren, hatte sie ebenfalls gelesen. Aber sie wollte hier nicht krank werden, weder mit einer Grippe noch mit einer anderen Tropenkrankheit im Bett liegen, wenn man diese harte Matratze und das Kernseifenbetttuch so nennen wollte.

Beim Frühstück unter einem Palmdach, wo es englisches Porridge mit einem Schuss Kondensmilch und schwarzen Tee gab, erzählte sie von der schlaflosen Nacht. Sie versuchte, so unauffällig wie möglich dreinzuschauen und ihr Leid so unaufdringlich wie möglich zu klagen. »Sag es ganz nebenbei und selbstverständlich« mahnte sie sich. Wie irgendeine Deutsche, die ganz zufällig mit lauter Afrikanern an einem Frühstückstisch am Atlantischen Ozean sitzt, ekligen Haferbrei isst und zu erklären versucht, warum sie künftig nicht mehr zur Toilette gehen will. Zu ihrer Überraschung fand sich sofort eine Lösung: Eco, der Mann, der für die Sauberkeit auf dem Gelände zuständig war, wurde angewiesen, ihr einen Nachttopf zu bringen. Er war es auch, der ihr am Abend zuvor eine Kerosinlampe vor die Hütte gestellt hatte. Um über das Gelände zu gehen, brauchte sie künftig keine Funzel mehr, aber um in der Dunkelheit den Nachttopf zu finden. Denn diese Dunkelheit, die war dunkel, die war rabenschwarz. Und laut.

Nach den Schrecken der Nacht verließ sie am ersten Tag das Gelände nicht. Sie erkundete die nähere Umgebung der Hütte. Unter herrlichen Palmen waren Steingärten angelegt. Die Luft roch nach Salz und immer wieder ergaben sich zwischen den wiegenden Palmwedeln Blicke auf das blauste Blau des Wassers. Dann saß sie auf ihrer kleinen Terrasse: So nah war sie dem Ozean noch nie gewesen.

Am Nachmittag ging sie hinunter zum Strand, wo junge Männer aus dem Ort ein Bad nahmen. Ihnen war gesagt worden, dass sie in den kommenden vier Wochen, während der Dauer der Anwesenheit des Gastes, bitte eine Badehose tragen und nicht auf den Strand machen sollten. Früher war dies die Waschstelle des Dorfes gewesen, jetzt war es ein kleines Stück Privatstrand, das zum Resort gehörte. Sie war froh, dass die jungen Männer Hosen anhatten. Ein Sonnenbad nehmen oder schwimmen wollte sie hier aber garantiert nicht. Früher war es üblich gewesen, ein Loch zu graben, hinein zu machen und das Loch wieder zuzumachen. Das hatte mit Glauben zu tun und der Furcht, dass jemand die Exkremente nehmen könnte, um »schlechte« Medizin daraus zu fabriziere. Heute glaubte man an den christlichen Gott und schiss nicht mehr in, sondern auf die Erde, das war bequemer und man musste ja keine Angst mehr haben vor bösen Geistern. Und doch sollte es noch Geister und Hexen geben. Man sagte ihnen nach, Zauberei zu beherrschen und anderen Böses zu tun. Wenn jemand in der Familie oder in der Nachbarschaft schlimm erkrankte, suchte und fand man schnell eine Schuldige. Ihr machte man den Prozess, und sie musste ihre Familie verlassen. Im Reiseführer stand, dass es im Norden des Landes es ein richtiges Hexendorf gab, wo Missionare sich um die Fortgejagten kümmerten. Dahin ins Buschland, wo es keine Straßen, keinen Strom und nur wenig Wasser gab, brachte man sie.

Man erzählte sich, dass auch die weiße Hautfarbe auf eine Hexerei zurückging: Die eine Nebenbuhlerin streute der anderen Pfeffer auf das am See abgelegte Hautkostüm, so dass diese es nicht mehr anziehen konnte und fortan mit der Unterhaut leben musste.

Da am Strand traf sie auch den Snakeman. »Akwaaba«, »welcome«, sagte er, obwohl das gar nicht zur Situation passte. In der Hand hielt er eine weiße Plastiktüte, in der es zappelte. Er war der Mann, der Schlangen mit den blanken Händen fing, um ihnen das Gift abzuzapfen. Auch erzählte er ihr mit wenigen Worten, gut Englisch konnte er nicht, dass er das Serum an Krankenhäuser verkaufe. Eine große Narbe verlief quer über seine rechte Wange. Sie wagte nicht, danach zu fragen, er und seine Tüte waren ihr unheimlich genug. Da half auch das Trikot von Borussia Dortmund nicht. Das Fußballtrikot trug der Snakeman mit Würde, obwohl die Farben ausgebleicht, das Gelb nur noch hellgelb und das Schwarz nur noch grau war. Von der Sonne und bestimmt auch vom vielen Waschen von Hand und mit Kernseife. Die kleine braune Hündin, die dafür zuständig war, durch die Büsche zu streifen und die Schlangen aufzustöbern, ging nicht von seiner Seite. Sie stand da mit traurigen Augen und eingezogenem Schwanz und wich zurück, als sie sie streicheln wollte. Womöglich waren diese beiden Garanten dafür, dass der eine oder andere Weiße nicht gleich ins Gras beißen musste.

Kinder aus dem Dorf schlichen sich von hinten an, und sie hörte, wie sie sich gegenseitig aufforderten, sie anzufassen. Sie dachte, dass sie ihre weiße Haut spüren wollten, die Haut einer »Obroni«, die hier als unvollkommen – wie ein Unterkleid eben – und schwabbelig und gleichzeitig als etwas Besonderes galt. Doch als die »Obroni« »Obroni« Rufe immer näher kamen, kapierte sie, dass die Kinder gekommen waren, um bei ihr um Wasser zu betteln, denn sie hielten rostige Dosen und Plastikbecher in den Händen. »Water«, immer wieder »water« sagten sie. Im Resort gab es aufbereitetes Wasser, sie durfte trinken, so viel sie wollte und unter der Dusche stehen, so lange sie wollte. Im Dorf aber, das an einer schmutzigen Lagune lag, gab es nur wenig sauberes Wasser und viele Kinder starben früh. Bevor sie eine Entscheidung treffen konnte, war Eco da, der Mann für Sauberkeit, der Mann für’s Grobe, und verjagte die kleinen Bettler.

Zu kostbar das Wasser für die Kinder am Wasser.

Im Wasser, Ghana 2010

Weh dir

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Man könnte sagen, wir leben in unsicheren Zeiten. Man könnte aber auch sagen, wir leben in sicheren Zeiten, denn wir können uns sicher sein in dieser Unsicherheit. Wir wissen nicht, was morgen kommt. Wir wissen nicht, ob es uns morgen trifft. Aber Krankheit und Tod sind uns immer sicher. Ist Klopapierkaufen eine Übersprungshandlung?  Um davon abzulenken, dass es passieren könnte?

Weh mir

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Damals war ich mir hundertprozentig sicher: Das 30. Lebensjahr würde ich niemals erreichen.


Habe ich als junge Frau nicht immer damit gerechnet, von einer Pershingrakete getroffen zu werden? Als ich fünf war, kamen die ersten Atomraketen in meinen Heimatort, als ich 23 war, wurden dort Pershing II-Raketen und Cruise Missiles stationiert. Mit Böll, Grass, Jens und vielen anderen war ich in einem Friedenscamp und habe das Pershing-Depot blockiert, besonders in Erinnerung geblieben ist mir tatsächlich »Blacky« Fuchsberger, der braun gebrannt im Porsche Cabrio daherkam. Auch die kriegstreiberische Politik von Ronald Reagan ließ mich oft schlaflos im Bett liegen und zu Demonstrationen in die westdeutsche Hauptstadt Bonn fahren: Fuck you Reagan!


Bald danach kam die Angst, von einer unbeherrschbaren Reaktorkatastrophe verseucht zu werden, von einem Super-GAU wie dieser Katastrophe in Tschernobyl. 1986 explodierte der Reaktor des Blocks 4. Dieses Russland war weit weg und doch sind alle mit ängstlichen Gesichtern herumgelaufen, haben sich vor dem Wind aus östlicher Richtung und vor radioaktiven Lebensmitteln gefürchtet. Waren die Pilze in Ordnung, konnte man das Fleisch noch essen, das Wasser noch trinken? Die, die es sich leisten konnten, kauften sich Häuser auf La Palma, La Gomera oder sonst wo, wo man unverseucht leben konnte. Dort gelebt haben sie aber nie, weil sie sich das nicht leisten konnten.


Zuletzt habe ich gedacht, die völlig überhitzte Erde, das Ansteigen der Temperaturen, die Brüchigkeit des arktischen Eises und das Verschwinden der Eisbären sei die große Gefahr. Ich habe mit dem Klimakollaps gerechnet, mit Wirbelstürmen, Hochwasser und langen Dürrezeiten. Und damit, von Plastikmassen erstickt zu werden. Gerade spricht niemand mehr von Umweltschutz und Flugabstinenz, Greta Thunberg, die Mahnerin, ist von der Bildfläche verschwunden.


Und nun die neue – unsichtbare – Gefahr. Wieder laufen alle mit ängstlichen Gesichtern umher. Manche schauen finster. Man hält sich an der Gehsteigkante und behandelt die anderen wie Aussätzige, denen man auf gar keinen Fall zu nahe kommen möchte. Nur kein Husten, kein Hüsteln, kein Schniefen, keine Tröpfchen, bitte.


Und ich mache mir dieselben Gedanken wie alle anderen: Wielange wird das Klopapier noch reichen. Und die Seife und die Putzmittel. Und das Mehl. Alles Mangelwaren. Die Idee, zum Trost einen Hefezopf zu backen, ist daran gescheitert, dass es gar nirgendwo Hefe gibt.


Vor Kurzem hatte es noch geheißen, flüssige Seife wäre gesünder als Seifenstücke, weil die verkeimt sein könnten. Jetzt gilt das Gegenteil: Langes, intensives Händewaschen (zwei Mal »Happy Birthday« singen) mit Seife, die richtig in der Hand liegt, die man aufschäumen und zwischen den Fingern und auf der Handober- und Unterseite verteilen kann. Denn dieses Coronavirus, das die Gesellschaft gerade außer Gefecht setzt, soll von einer schützenden Lipidmembran, einer Fettschicht, ummantelt sein, auf der Eiweißmoleküle sitzen. Und nur Seife löst dieses Fett und beschädigt die Membran. So kann das Virus unschädlich gemacht werden, heißt es. Arg viel mehr kann man nicht tun. Ach doch, Handschuhe tragen.


Neuerdings hoffe sogar ich auf die Wissenschaft und auf die Medizin. Darauf, dass Medikamente gefunden werden, die die Überlebensrate erhöhen und die Todesraten senken. Die Zustände in Italien, wo die Menschen wie die Fliegen sterben, sind ein Horror. Von den Fernsehbildern, die das Elend in Bergamo, Madrid oder in New York City zeigen, wird einem Abend für Abend schlecht. Ich hoffe auf einen Impfstoff, der das Virus zu einem Virus macht, wie jedes andere. Sogar ich folge dem Virologen Christian Drosten, der geradezu ein Medienstar ist, und den alle Welt um Rat fragt: Was sind die Symptome, was kann man dagegen tun, wann ist alles überstanden? Ja, das ist die entscheidende Frage: Wann ist alles überstanden? An Ostern? Bis dahin gilt die Kontaktsperre. Oder länger? Bis Sommer, bis Ende des Jahres? Was wird aus den kleinen Geschäften, den Cafés und Restaurants in unserer Nachbarschaft? Werden sie die temporäre Schließung überstehen? Wie können Menschenleben und Wirtschaft gerettet werden? Wird die Welt menschlicher und bescheidener? Bietet Corona gar eine Chance?


So weit kann ich gerade noch nicht denken, im Augenblick scheint mir die Vernunft und das Tun meiner Mitmenschen wichtiger als alles andere. Alle mögen zuhause bleiben und sich schön die Hände waschen, und im Supermarkt und in der Straßenbahn den gehörigen Abstand halten. Und keine Lebensmittel, kein Klopapier, keine Schutzmasken und kein Desinfektionsmittel hamstern. Es geht darum, sich nicht anzustecken. Es geht um Solidarität.


Ich hoffe auf den Sommer. Und ich hoffe auf den Herbst. Und hoffe und hoffe… Dass wieder alles ganz normal wird. Ja, ich hoffe tatsächlich auf einen stinknormalen Alltag. Raus aus dem Homeoffice, zurück ins Büro. Raus aus der Quarantäne, raus aus der Isolation, zurück unter Menschen. Ich will Begegnungen von Angesicht zu Angesicht mit Freunden, mit Kollegen und Nachbarn.


Ich hoffe darauf, dass das Klopapier reichen wird. Und dass alles gut wird: Andrà tutto bene, sagen die Italiener und singen und musizieren abends auf ihren Balkonen.


Nicht mich möge dieses Virus treffen. Bitte auch nicht die anderen. Aber wenn schon, dann lieber die anderen.


1,5 bis zwei Meter Abstand sind verordnet. Dass ich keine Hände mehr schütteln darf, das macht mich sogar froh. Habe ich es nicht immer gehasst? Schon als kleines Mädchen musste ich den Erwachsenen, den Kunden des Vaters, die Hand geben. Als Zeichen der Höflichkeit, der Verbindlichkeit, wie es immer hieß. Ich habe aber nie begriffen, warum ich als Kind etwas für die Geschäfte des Vaters tun sollte. Später bin ich den Händeschüttlern gerne aus dem Weg gegangen.


Ich erinnere mich, dass der Großvater zum Gruß immer seinen Hut oder seine Schiebermütze gelüftet hat. Vielleicht wäre das die Lösung: Wir könnten wieder Hüte tragen. Die den Kopf schützen und vom Händeschütteln befreien.

Sich schützen. Sich befreien.

Weil man das Leben nicht hamstern kann.

Tübinger Straße, März 2020


Zweifel

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Zweifeln

an jedem Wort,

jedem Satz,

jedem Text,

rund, logisch

zu rund.

Zweifeln

an den Gedanken,

den Erinnerungen,

den Bildern im Kopf.

Keinem unrecht tun,

nicht denen, die kränken

behindern,

nicht fördern,

nicht lieben.

Nach den Spuren suchen

im Gestern, in diesem Moment.

Tief bohren,

ohne sich selbst zu verletzen.

An der Tastatur sitzen,

in die Tastatur hauen,

die Zweifel Zweifel sein lassen.

In den Bauch denken,

den Bauch ins Gehirn holen.

Zweifel bleiben,

sie machen Geschichten.

Gomera, Dezember 2019

Sonntage

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Wenn die Mutter lange genug gemault hatte, »du hast ja nie Zeit für uns, nie machst du etwas mit deinen Kindern«, wenn sie immer weiter machte und davon sprach, dass »die anderen viel mehr schaffen, obwohl die kein Geschäft haben«, wirkte das zwar nicht sofort, aber die Wiederholung dieser Vorwürfe in verschiedenen Varianten ließ den Vater mürbe werden und ihn einsehen, dass er um des Friedens willen einen Sonntag mit Frau und Kindern verbringen sollte. Und da die Mutter nicht zum Fußball wollte, musste der Vater mit zu den Großeltern. Da wurde dann im Kreis der großen Familie Kaffee getrunken und der selbst gebackene Kuchen der Großmutter gegessen. Gerne wurde dabei über Familienangehörige geredet, die nicht anwesend waren. Während man normalerweise fragte »und wie geht es denn dem Hubert?« und »wie laufen denn die Geschäfte?«, immer in der Hoffnung, dass es dem Hubert und auch den Geschäften nicht so gut ging, fragte in seiner Anwesenheit niemand, wie es ihm ging, und auch nach den Geschäften fragte keiner. Überhaupt wurde weniger gesprochen und weniger gefragt, wenn der Vater anwesend war. Das hing auch damit zusammen, dass er selbst nie ein Wort sagte. Er saß stumm auf dem Sofa, trank seine zwei, drei Tassen schwarzer Kaffee, aß seine zwei, drei Stück Kuchen und war in Gedanken weit weg auf dem Fußballplatz.
Ganz selten gab es die, von den Kindern gefürchteten, ganz besonderen Sonntage, das waren die, an denen sie nicht an das andere Ende der Stadt zu den Großeltern fuhren, sondern einen sogenannten Ausflug machten. Ausflug bedeutete, dass man mit dem Auto über Land fuhr. Am allerliebsten saß der Vater auf seinem Motorrad, am Zweitliebsten saß er am Steuer seines Ford Taunus. Er liebte es, rasant und rücksichtslos zu fahren, Geschwindigkeitsbegrenzungen interessierten ihn nicht. Dass den beiden Kindern auf dem Rücksitz davon speiübel wurde, interessierte ihn genauso wenig. Er sagte, dass er den Ausgleich brauche und die Mutter sagte nichts dazu. Sie, die eigentlich nie den Mund halten konnte, saß an diesen ganz besonderen Sonntagen schweigend auf dem Beifahrersitz und hielt sich verzweifelt am Haltegriff fest. Man fuhr irgendwo hin, egal wohin, Hauptsache es gab einen Landgasthof, wo man günstig essen konnte.
Am Ziel angekommen, machten sie einen kleinen Spaziergang. Genau genommen spazierten sie vom Parkplatz zum Gasthof. Die Mutter nutzte das gemeinsame Essen, um all ihre Vorwürfe noch einmal vorzutragen: Dass der Vater zu viel schlafe und zu wenig arbeite. Dass er sich zu wenig um sein Geschäft kümmere. Der kleine Bruder wollte partout Wiener Schnitzel. Wiener Schnitzel bekam er aber gar nie, weil es den Eltern zu teuer war. Der kleine Bruder wollte dann gar nichts essen, nahm aber ein Eis und spielte für den Rest des Tages die beleidigte Leberwurst. Vom Kampf um das Wiener Schnitzel einmal abgesehen, versuchten der kleine Bruder und sie sich so unsichtbar wie möglich zu machen. Denn an diesen ganz besonderen Sonntagen kam der ewige Konflikt zwischen den Eltern wieder zutage, der darauf beruhte, dass der Vater geerbt hatte, und dass es ganz allein sein Geschäft war. Die Mutter hatte eingeheiratet und nichts zu sagen. Und je weniger die Mutter zu sagen hatte, umso mehr sagte sie.
Ihr selbst war an solchen Sonntagen schlecht. Schlecht von der Fahrweise des Vaters, schlecht vom Essen – sie nahm immer etwas, das nicht so viel kostete, meistens Maultaschen, die sie nicht wirklich mochte – und schlecht von den Auseinandersetzungen der Eltern.
Gottseidank hatte am darauffolgenden Sonntag alles wieder seine Ordnung: Der Vater und der kleine Bruder waren beim Fußball, sie selbst und die Mutter saßen am Kaffeetisch der Großeltern. Sogar die Geschichten über Familienangehörige, die nicht anwesend waren, mochte sie dann.

Dresden 2017